Zertifikat: Theaterpädagogik
Performative Bildung und gesellschaftliche Transformation
Lernen in Bewegung. Unterricht neu denken. Gesellschaft mitgestalten.
Wichtiger Hinweis: Bei dem Zertifikat handelt es sich um eine Zusatzleistung zum curricularen Studium
Theaterpädagogik eröffnet neue Zugänge zu Bildung. Sie verbindet ästhetische Erfahrung mit fachlichem Lernen, stärkt Dialog, Kreativität und Perspektivwechsel und eröffnet Möglichkeiten, gesellschaftliche Themen gemeinsam zu bearbeiten. Das Zertifikat Theaterpädagogik und performative Bildung qualifiziert Lehramtsstudierende aller Fächer dazu, performative Bildungsprozesse professionell zu gestalten.
A. Performative Haltung und relationale Prozessgestaltung
Haltung entwickeln – Wer bin ich als Spielleitung?
Performative Bildung beginnt mit einer Haltung. In diesem Schwerpunkt setzen sich die Studierenden mit den Grundlagen theaterpädagogischen Arbeitens auseinander und entwickeln Präsenz, Wahrnehmungsfähigkeit sowie eine professionelle Spielleitung. Im Mittelpunkt stehen Improvisation, Zusammenarbeit und die Gestaltung von Lernräumen, in denen Begegnung, Offenheit und gemeinsames Lernen möglich werden. Theaterpädagogik wird dabei nicht als Methodenrepertoire verstanden, sondern als relationale Praxis, die Bildungsprozesse in Bewegung bringt.
B. Szenisches Lernen und Perspektivwechsel
Lernen gestalten – Wie kann Theater fachliches Lernen bereichern?
Theater eröffnet neue Zugänge zu fachlichem Lernen. Die Studierenden lernen, wie szenische und performative Verfahren eingesetzt werden können, um komplexe Inhalte erfahrbar zu machen, Perspektivwechsel anzuregen und fachübergreifende Lernprozesse zu gestalten. Der Schwerpunkt verbindet Theaterpädagogik mit Fachdidaktik und zeigt, wie ästhetische Erfahrungen Reflexion, Dialog und nachhaltiges Lernen fördern können.
C. Theaterpädagogik und gesellschaftliche Transformation
Gesellschaft gestalten – Wozu dient Theaterpädagogik?
Theaterpädagogik schafft Räume, in denen gesellschaftliche Fragen gemeinsam verhandelt werden können. Dieser Schwerpunkt widmet sich Themen wie Demokratiebildung, Diversität, sexuelle Bildung, Nachhaltigkeit oder soziale Gerechtigkeit und fragt, wie performative Bildungsprozesse Teilhabe ermöglichen und gesellschaftliche Veränderung anstoßen können. Die Studierenden entwickeln ein professionelles Verständnis von Theaterpädagogik als ästhetischer, dialogischer und transformativer Bildungspraxis.
D. Ästhetische Praxis und gesellschaftliche Imagination
Künstlerisch forschen – Wie entstehen neue ästhetische Formen und Zukunftsentwürfe?
Theater eröffnet Möglichkeiten, Wirklichkeit neu zu denken und Zukunft zu entwerfen. In diesem Schwerpunkt entwickeln die Studierenden eigene performative Formate, experimentieren mit unterschiedlichen Theaterformen und erforschen das Zusammenspiel von Körper, Raum, Sprache und Inszenierung. Künstlerische Praxis wird dabei als Erkenntnis- und Gestaltungsform verstanden, die individuelle und gesellschaftliche Imagination gleichermaßen fördert.
Praxi, Transfer und Kooperation
Wirksam werden – Wie gelangen diese Prozesse in Schule und Gesellschaft?
Theaterpädagogik entfaltet ihre Wirkung im gemeinsamen Handeln. In Praxisprojekten, Lehr-Lern-Laboren und Kooperationen mit Schulen, Kulturinstitutionen und weiteren Partnern übertragen die Studierenden ihre Kompetenzen in unterschiedliche Bildungskontexte. Sie planen, erproben und reflektieren eigene Projekte und erfahren, wie performative Bildungsprozesse in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteur:innen entstehen und nachhaltig wirken können.
Sie möchten Theaterpädagogik kennenlernen, ohne sich direkt für das gesamte Zertifikatsprogramm zu entscheiden? Das Microcredential „Einführung in performative Bildung und Theaterpädagogik“ bietet einen praxisnahen Einstieg in die Arbeitsweise performativer Bildungsprozesse.
Im Mittelpunkt steht das Seminar „Improvisation und performative Haltung“. Die Studierenden erleben Improvisation nicht als Schauspieltechnik, sondern als pädagogische Haltung: Sie entwickeln Präsenz, stärken ihre Wahrnehmungs- und Dialogfähigkeit und erfahren, wie Offenheit, Zusammenarbeit und Perspektivwechsel zu lebendigen Lernprozessen beitragen können. Im gemeinsamen Spiel werden Grundlagen performativer Bildung erprobt und auf schulische Lehr- und Lernkontexte übertragen.
Das Microcredential umfasst 3 Credit Points und schließt mit einer Prüfungsleistung ab. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat über die erworbenen Kompetenzen.
Das Microcredential kann unabhängig vom Zertifikatsprogramm belegt werden. Gleichzeitig ist es vollständig auf das Zertifikat „Theaterpädagogik – Performative Bildung und gesellschaftliche Transformation“ anrechenbar. Wer sich nach dem Einstieg für das Zertifikat entscheidet, kann die erworbenen Credit Points übernehmen und den individuellen Qualifizierungsweg nahtlos fortsetzen.
Improvisation und performative Haltung
Wie entsteht ein Lernraum, in dem Menschen mutig werden, gemeinsam denken und Neues ausprobieren?
Improvisation bedeutet mehr als spontanes Spielen. Sie eröffnet einen Zugang zu einer performativen Haltung, die Offenheit, Präsenz, Wahrnehmung und Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellt. Im Seminar werden grundlegende Verfahren der Improvisation und Theaterpädagogik praktisch erprobt und gemeinsam reflektiert. Im Fokus stehen dabei nicht schauspielerische Perfektion, sondern die Gestaltung von Bildungsprozessen, die Partizipation ermöglichen, Perspektivwechsel fördern und Kreativität freisetzen.
Die Studierenden entwickeln ihre Präsenz im Raum, erproben den bewussten Einsatz von Körper, Stimme und Interaktion und setzen sich mit der Frage auseinander, wie performative Zugänge Lernen bereichern können. Dabei werden erste Impulse für die Gestaltung von Unterricht und anderen pädagogischen Situationen entwickelt und auf unterschiedliche Fachkontexte übertragen.
Das Seminar richtet sich an Lehramtsstudierende aller Fächer. Theatererfahrungen sind nicht erforderlich – gefragt sind Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, sich auf gemeinsames Ausprobieren einzulassen.
Das Seminar kann als Microcredential „Einführung in performative Bildung und Theaterpädagogik“ (3 CP) belegt oder auf das Zertifikat „Theaterpädagogik und performative Bildung“ angerechnet werden.
Biografisches Theater und gesellschaftliche Positionierung
Wie prägen persönliche Erfahrungen unsere Sicht auf die Welt – und wie können sie zum Ausgangspunkt gemeinsamer Bildungsprozesse werden?
Biografisches Theater eröffnet Räume, in denen persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Fragen und ästhetische Ausdrucksformen miteinander in Dialog treten. Im Seminar setzen sich die Studierenden mit theaterpädagogischen Verfahren auseinander, die individuelle Perspektiven sichtbar machen, Perspektivwechsel ermöglichen und die Reflexion gesellschaftlicher Positionierungen anregen.
Ausgehend von Methoden des biografischen und dokumentarischen Theaters entwickeln die Studierenden performative Formate, in denen Themen wie Identität, Zugehörigkeit, Vielfalt, Körper, Beziehungen oder gesellschaftliche Normen ästhetisch erforscht werden können. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Darstellung persönlicher Lebensgeschichten, sondern die Frage, wie biografische Erfahrungen verantwortungsvoll, freiwillig und professionell in Bildungsprozesse eingebunden werden können. Fragen nach Macht, Differenz, Partizipation und Diskriminierung werden ebenso reflektiert wie die Rolle der Spielleitung bei der Gestaltung sicherer und wertschätzender Lernräume.
Das Seminar verbindet theaterpraktisches Arbeiten mit theoretischen Perspektiven auf gesellschaftliche Transformationsprozesse und eröffnet exemplarisch Bezüge zur sexuellen Bildung. Die Studierenden entwickeln ein Verständnis dafür, wie Theaterpädagogik dazu beitragen kann, sensible Themen dialogisch, körperlich und ästhetisch zu bearbeiten, ohne vorschnelle Antworten vorzugeben. Sie stärken ihre Fähigkeit, performative Bildungsprozesse zu gestalten, in denen Vielfalt sichtbar wird, Ambiguität ausgehalten werden kann und demokratische Aushandlungsprozesse erfahrbar werden.
Performative Lehr-Lern-Prozesse gestalten in internationalen Bildungskontexten
Wie entstehen Lernräume, in denen Sprache durch Spiel lebendig wird?
Theater eröffnet besondere Möglichkeiten, Sprache, Begegnung und ästhetisches Lernen miteinander zu verbinden. Im Seminar entwickeln die Studierenden theaterpädagogische Workshopkonzepte für Schüler:innen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, und erproben, wie performative Verfahren Sprachlernen, Kreativität und Zusammenarbeit fördern können.
Im Rahmen eines vorbereitenden Blockseminars setzen sich die Studierenden mit Grundlagen performativer Lehr-Lern-Prozesse, theaterpädagogischer Spielleitung sowie der Gestaltung partizipativer Workshops auseinander. Ausgehend von den Bedürfnissen der Zielgruppe konzipieren sie eigene theaterpädagogische Formate, die sprachliches Lernen mit ästhetischer Erfahrung verbinden.
Ein zentraler Bestandteil des Seminars ist die Exkursion zu den Theaterspielen in Varaždin (Kroatien) – einem internationalen Festival, bei dem Schüler:innen aus verschiedenen Ländern deutschsprachige Theaterproduktionen präsentieren. Vor Ort führen die Studierenden ihre Workshops mit den teilnehmenden Gruppen durch, sammeln eigene Erfahrungen in einem internationalen Bildungskontext und reflektieren die Potenziale performativer Bildungsprozesse für sprachliches, kulturelles und gemeinschaftliches Lernen.
Das Seminar verbindet Theorie, Praxis und internationale Begegnung. Die Studierenden erwerben Kompetenzen in der Konzeption, Durchführung und Reflexion theaterpädagogischer Bildungsangebote und erleben, wie performative Lehr-Lern-Prozesse Menschen unterschiedlicher sprachlicher und kultureller Hintergründe miteinander in Dialog bringen können. Dabei entwickeln sie ein professionelles Verständnis von Theaterpädagogik als ästhetischer, partizipativer und gesellschaftlich wirksamer Bildungsform.
Sie möchten das Zertifikat Theaterpädagogik und performative Bildung absolvieren? Wir freuen uns über Ihr Interesse!
Das Zertifikat richtet sich an Lehramtsstudierende aller Fächer, die ihre professionelle Handlungskompetenz durch performative Bildungsprozesse erweitern und Theaterpädagogik als ästhetische, partizipative und gesellschaftlich wirksame Praxis kennenlernen möchten.
Der Einstieg ist flexibel möglich: Sie können zunächst das Microcredential „Einführung in performative Bildung und Theaterpädagogik“ belegen und Ihre erworbenen Leistungen später auf das Zertifikat anrechnen lassen oder Sie entscheiden sich direkt für das Zertifikat und absolvieren so viele Veranstaltungen, wie Sie möchten. So können Sie Ihren individuellen Qualifizierungsweg schrittweise gestalten.
Die Bewerbung für das Zertifikat ist jeweils ab jetzt für das Wintersemester möglich. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, um ein intensives praktisches Arbeiten in kleinen Lerngruppen zu ermöglichen. Über das Bewerbungsformular können Sie Ihr einseitiges Motivationsschreiben hochladen und sich online bewerben. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist erhalten Sie zeitnah eine Rückmeldung über die Vergabe der Plätze sowie weitere Informationen zum Ablauf des Zertifikats.
Bei Fragen zum Zertifikat oder zu den Bewerbungsvoraussetzungen beraten wir Sie gerne persönlich.
Theaterpädagogik erleben – Schnupperworkshops in der Einführungswoche
Neugierig auf Theaterpädagogik? Dann probieren Sie es einfach aus!
Im Rahmen der Einführungswoche laden wir alle Lehramtsstudierenden herzlich zu unseren Schnupperworkshops ein. In 90 Minuten erhalten Sie einen ersten Einblick in die Arbeitsweise der Theaterpädagogik und erleben, wie Improvisation, Spiel und performative Zugänge Lernprozesse in Bewegung bringen können.
Termine:
- Mittwoch, 14.10.2026, 16 – 17.30 Uhr
- Donnerstag, 15.10.2026, 14 – 15.30 Uhr
Vorkenntnisse oder Theatererfahrungen sind nicht erforderlich – gefragt sind lediglich Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, gemeinsam mit anderen neue Perspektiven auszuprobieren. Lernen Sie das Zertifikat „Theaterpädagogik und performative Bildung“ kennen, kommen Sie mit Lehrenden und Studierenden ins Gespräch und erleben Sie selbst, was performative Bildung ausmacht.
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Wir freuen uns darauf, Sie in Bewegung zu bringen!
Auftaktveranstaltung des Zertifikats Theaterpädagogik und performative Bildung
Performative Bildung beginnt mit Begegnung.
Zum Auftakt des Zertifikats „Theaterpädagogik und performative Bildung“ laden wir alle Zertifikatsstudierenden herzlich am 15.10.2026 von 11 bis 21 Uhr zu einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung ein. Gemeinsam starten wir in das Studienjahr, lernen uns kennen und werfen einen ersten Blick auf die Idee performativer Bildungsprozesse.
Im Mittelpunkt steht ein theaterpädagogischer Workshop, der die Gelegenheit bietet, die Arbeitsweise des Zertifikats unmittelbar zu erleben: spielerisch, körperlich, forschend und im Austausch mit anderen. Zugleich bietet die Auftaktveranstaltung Raum, Kontakte zu knüpfen und die Gemeinschaft der Zertifikatsstudierenden kennenzulernen.
Im Anschluss erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, in einem Schnupperworkshop für Studienanfänger:innen zu hospitieren. So erleben sie, wie theaterpädagogische Lernprozesse gestaltet werden, kommen mit neuen Studierenden ins Gespräch und erhalten einen ersten Einblick in die Rolle der Spielleitung und die Vermittlung performativer Bildungsprozesse.
Den Abschluss bildet die Kooperation mit dem Badischen Staatstheater Karlsruhe. Bei einem exklusiven Probenbesuch erhalten die Teilnehmenden Einblicke in künstlerische Arbeitsprozesse und erleben, wie aus Ideen, Improvisationen und gemeinsamer Gestaltung eine Theaterproduktion entsteht. Im Austausch mit Mitarbeitenden des Theaters eröffnen sich Perspektiven auf die Verbindung von Theaterkunst, Theaterpädagogik und kultureller Bildung.
Die Auftaktveranstaltung verbindet damit drei zentrale Perspektiven des Zertifikats: Theaterpädagogik erleben, Theaterpädagogik beobachten und Theater als professionelle Kunstpraxis kennenlernen. Sie bildet den gemeinsamen Ausgangspunkt für das Zertifikatsstudium und macht erfahrbar, wofür das Programm steht: Theaterpädagogik als ästhetische Praxis, performative Bildung und gemeinsames Lernen in Bewegung.
Ablauf am 15.10.2026
- 11.00 – 13.00: Workshop für Zertifikatsstudierende
- 14.00 – 15.30: Hospitation in einem Schnupperworkshop
- Ab 16.30: Kooperation mit dem Badischen Staatstheater Karlsruhe
Wir freuen uns darauf, mit Ihnen gemeinsam in dieses Studienjahr zu starten!
Sie haben Fragen zum Zertifikat? Dann melden Sie sich bei
- Kristina Krieger
Wissenschaftliche Leitung für das Zertifikat Theaterpädagogik
kristina.krieger@ph-karlsruhe.de